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Ausstellung - JÖRG SEIFERT

Malerei auf Leinwand

Ausstellung vom 20.11.2017 - 28.02.2018
GALERIE LATERNE Karl-Liebknecht-Str. 19 - 09111 Chemnitz
Geöffnet: Mo bis Fr von 10 - 16 Uhr

Vernissage am 20.11.2017 19.30 Uhr
Veranstaltet vom Kunstverein Laterne e.V.
Laudatio: Alexander Stoll, Musik: Tobias Brunn

SUCH die MAUS

Auszug aus dem Katalogtext

LATERNE: Die nächste Ausstellung in der Galerie Laterne wird mit Jörg Seifert sein - und zwar am 20.11.2017 um 19.30 Uhr. Wir erstellen dazu einen Katalog und wollen uns mit einem Gespräch dem Künstler annähern und seine Schaffensart dem Betrachter verständlicher machen. Dazu sind wir nach Annaberg-Buchholz gereist und sitzen nun in seinem Atelier bei einem guten Kaffee. Wir kennen uns schon sehr lange und man weiss scheinbar viel voneinander - wenn man aber genauer hinschaut, dann fragt man sich schon, was kann ich sicher von dir sagen? Vielleicht ist es daher ganz gut, alles nochmal von vorne zu durchdenken.
Ich glaube, die grundsätzliche Idee in deiner Arbeit scheint der Anspruch zu sein, etwas völlig Neues, Ungesehenes, nie Dagewesenes in der Malerei bzw. Grafik zu schaffen. Ein fertiges oder werdendes Bild wird danach überprüft, inwieweit es in solcher Gestalt schon einmal existiert oder nicht - unabhängig davon, ob es selbst eine Schönheit ist. Nicht Illusion ist gefragt, sondern die nackte Wahrheit hinter der Wahrheit. Die Reduktion auf den ursprünglichsten Antrieb bei sich selbst und bei anderen. Ein Bohrer, der sicher auch auf einen schmerzenden Nerv trifft: -Es könnte doch sein, dass sich alles hinter einer Illusion versteckt, dass alles eine Illusion ist! - Diese bangen Fragen scheint man zu spüren. Und die hessesche Antwort: - Du musst deinen Weg selbst finden.- wird sicher akzeptiert - aber wie soll das gehen? Diese Fragen durchziehen, aus meiner Sicht, deine Arbeit. Wie siehst du dich in der Beziehung selbst, wie siehst du deine Arbeit selbst, was treibt dich an?

Jörg Seifert: Es sind Versuche in vielfältige Richtungen. Der Antrieb ist der Zweifel, du hast es ja auch mit der Frage des Hinterfragens schon geäussert, das ist so ein Ansatz.

LATERNE: Also, wie geht es los bei dir, wenn du eine leere Leinwand siehst, welche Vorstellungen hast du dann, welche Idee hast du, was willst du festhalten und warum willst du es festhalten?

Jörg Seifert: Es gibt auf jeden Fall keinen Plan. Das ist sozusagen der einzige Plan, den es gibt. Der Rest ist ein Herantasten und Versuchen. Man hat eine Ahnung, aber es würde mich nicht reizen, mich vor eine Leinwand zu stellen und zu wissen, wie sie am Ende aussieht. So könnte (wöllte!) ich überhaupt nicht anfangen zu arbeiten. Insofern ist der Ansatz schon da, wobei immer alles mitspielt, was man schon gesehen hat, was man von anderen zur Kenntnis genommen hat, was man selber probiert hat, aus diesem Konglomerat aus Erfahrungen, Erlebnissen und Begegnungen erwächst dann das Schaffen, der direkte Zugriff. Was du am Anfang sagtest, dass der Anspruch da ist, etwas noch nicht Vorhandenes herzustellen, das hat wahrscheinlich jeder Künstler, wobei auch jeder weiss, dass man auf den Schultern der Vorgänger steht, weil die einen geprägt haben. Was man schon gesehen hat, was bereits existiert, auch in der Natur - ist ja klar.

LATERNE: Die hessesche Annahme geht davon aus, dass es in uns etwas gibt, welches den Weg weiss oder spürt und unsere Aufgabe ist es nur, dieses Wissen wiederzuentdecken und dann ist es ein Leichtes, den Weg zu finden. Wenn sich dieses Wissen aber nicht freikratzen lässt, dann ist - ja was ist dann? Dann bleibt nur die Wahrheit hinter der Wahrheit im brechtschen Sinne: - Erst kommt das Fressen und dann die Moral - oder?

Jörg Seifert: Da ich keine Moral habe, ist das kein Thema, keine Frage für mich. Ja, aber es geht so, das habe ich in letzter Zeit immer wieder gemerkt, dass der Zweifel an der bereits geleisteten Arbeit der grösste Antrieb ist, zu versuchen, sich immer wieder neu bildnerisch zu äussern. Beim Tanzen, Schreiben, etc... wird das nicht anders sein.

LATERNE: Wann sagst du: Jetzt ist es ein gutes Bild. Jetzt bin ich jedenfalls für diese Zeit zufrieden. 14 Tage später sagt man: Na ja, jetzt ist es vielleicht nicht mehr so gut. Aber wann sagst du dann: Okay, jetzt höre ich auf.

Jörg Seifert: Wenn der Antrieb weg ist, darauf zu reagieren. Erst ist ein Anfang, ein oft spontaner Zugriff auf das Material, dann ein immer wieder Reflektieren der Dinge, die schon da sind, ein darauf reagieren und irgendwann erlischt dann dieser Trieb, hier müsste ich noch etwas machen und dort muss ich noch etwas machen. Den Punkt kann also niemand vorhersehen und den kann auch niemand von aussen hereintragen, indem er sagt: - Jetzt ist es fertig.- Es gibt Situationen, es kommt jemand und meint: - Ich würde es jetzt so lassen. - Das ist ja für den, der es macht unerheblich, du weisst es ja selber. Für dich muss es am Ende stehen, da gibt es einen mysteriösen Punkt, wo das Ziel für einen erreicht ist, wo man sagt, jetzt reichts und man füngt auf einer neuen Leinwand wieder an, mit dem nächsten, was einen als Ahnung, Idee, Ausgangspunkt schon wieder weitertreibt. Inspiriert von den Erfahrungen am letzten Bild -möglicherweise- oder einem zwischzeitlichem Erlebnis oder Himbeereis oder was weiss ich...

Vernissage: Am 20.11.2017 19.30 Uhr

Laudatio: Alexander Stoll

Musik: Tobias Brunn


Der Katalog, 60 Seiten mit zahlreichen farbigen Abbildungen der ausgestellten Arbeiten kann per e-mail (laterne19@freenet.de) für 5,00 Euro plus Versandkosten bestellt werden.


Veranstaltungshinweis: Lesung mit Jörg Seifert am 04.12.2017 um 19.30 Uhr

Galerie und Kunstverein LATERNE e.V.
Karl-Liebknecht-Str. 19
09111 Chemnitz

Tel.: 0371 4019727
Internet: www.galerie-laterne.de
E-Mail: Laterne19@freenet.de
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 10 - 16 Uhr
andere Zeit auf Anfrage


Der Kunstverein Laterne ist Veranstalter des Projektes.
Das Ausstellungsprojekt wird durch das Kulturmanagement der Stadt Chemnitz gefördert






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