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Kunst Biographie 
  Markus Gruner
 

Markus Grunde, geboren 1967 in Stollberg, studierte Bauingenieurwesen und Architektur. Von 1992 an führten ihn zahlreiche Reisen in die nördlichen Gefilde Europas. 1998 erschien sein erstes Buch“ Whisky. Zelt und dünne Sohlen/Kleine schottische Odyssee von Shetland bis Kintyre“. Seit 2001 beschäftigt er sich mit verfremdender Xerographie und ab 2002 entstehen seine ersten Bronzeskulpturen. Gegenwärtig lebt und arbeitet der Autor in Chemnitz.


Seitdem meine Dämonen Namen tragen...

 

Gedichte und Aphorismen

Manches sagt man
mit Wörtern,
die der Klarheit des Gedankens
abträglich sind.
Doch sie sind einfach
zu schön,
um nicht
gesagt zu werden.

 

t i e r i s c h e s

Schwerstarbeit

Es ist nicht einfach,
alle seine heiligen Kühe
zu schlachten
und dann
als Vegetarier
durchzugehen.

sensibel

Der Hai
tötet seine Opfer,
weil er
das Trommeln ihrer Herzen
nicht erträgt.

rück- fä(e)lliges

Neugier ist
der Katze Tod.
Doch wozu hat sie
ihre sieben
Leben?

Federn lassen

Wirklich jeder
kennt Picassos Taube,
aber keiner fragt danach,
wie vielen
er
dafür
den Hals
umgedreht hat!

kaltblütig

Jeder
ernstgemeinte Versuch,
einen Fisch zu lieben, findet sein jähes Ende
im E x t r a h a h i e r e n
seiner Gräten.

a n a t o m i s c h e s

und sonstige Krankheitsbilder

 

Nagelprobe

Das Dumme am kleinen Finger ist:
Er ist an der ganzen Hand angebracht.

entlarvt

Faulheit ist die
wahre Triebfeder
jeder
menschlichen Entwicklung

Naturtalent

Sich dumm stellen
reicht nicht;
man muss auch
überzeugen!

paradox

Mit 30 beginnt
wahrhaftes Denken;
identisch mit der Zeit
fortschreitender Amnesie.

Preßwehen Teil 1

Ich kann nicht alles.
Kinder kriegen zum Beispiel.
Aber ich hab`s versucht!

Platzangst

Zwischen
Willkommen
und
Abschied
geht es eng zu.

Kunstfehler

Als ER
ihm die Rippe rausschnitt,
sollte Sie
eigentlich eine Waffe werden.

Preßwehen Teil 2

Von der Muse geküsst,
ging er mit einer Idee schwanger
und handelte sich eine
Zangengeburt ein!

Kompensation

Männer von eher
kleiner Statur
erzeugen
oft
große
Statuen.

Zu- gezogenes

Sicher zu wissen,
einen Fehler zu machen
... und ihn doch zu tun,
führt irgendwann
zu Charakter.

Ansichtssache

Der Horizont von Ignoranten
beschränkt sich auf das,
was sie durch
zwei
gespreizte Beine
erkennen können

Hohlräume

Das Volumen
meines Magens
wird einzig
vom
Fassungsvermögen
meines Herzens
übertroffen

Kongruenz

Mit jedem Jahr
werde
ich
mir selbst
immer ähnlicher.

vom F l i e g e n

Abgehoben

Keiner
der über seinen
Schatten springt
macht sich Sorgen
um die
Landung

Fallstudie

Das Ausstrecken der Beine
über den Gang des Flugzeuges
stellte sich als überaus
kommunikative Eingebung heraus.

zielsicher

Immer der Nase nach
ist der sicherste
Weg
eine Bauchlandung
zwischen deine Schenkel hinzulegen

verbürgtes

Beim wiederholten
Durchsacken des Flugzeuges
erinnerte ich mich an die Prophezeiung
meiner Tante:“ Du wirst alt werden!“
( Wenn, ...wenn nichts dazwischenkommt.)

Höhenkoller

Die Masse ist einzig dazu gut,
um sich von ihr
abzuheben.

b e z i e h u n g s w e i s e

eigenartig

Alle wollen nur das Eine!
Das macht es aber keineswegs
einfacher!

Erdarbeiten

Da wo die Liebe
hinfällt,
wird sie auch
begraben.

kurios

Das wahrhaft Tragische an Liebesgedichten ist:
Sie entstehen aus der Verzweiflung.

gordisch

Wie halten,
was nicht zu fassen,

wie nehmen,
was nicht zu haben,

wie nennen,
was keinen Namen,
 
wie Dir geben,
was Du nicht willst?

Überdosis

Schöne Harpyie hier an meiner Seite
mit Krallen hälst mein Herz
umfasst

Die scharfen Klingen Deiner Lippen
tief in meinem Fleisch
gespürt

Trinkst mein Blut wie ein Vampir
das zu verweigern
tödlich ist

Mit jedem Pulsschlag neu verfallen
dem süßem Schmerz
der süchtig macht

...

Überraschung

Gesucht einen Traum
Gewartet ein Leben
Gefunden Dich

Dich nie gesucht
Den Traum erwartet
Doch gefunden das Leben

Kapitulation

Ein tiefer Blick 

aus grünen Augen

Dein frecher Mund

und unter

einem schwarzen Schopf

ein Wille der
 
den meinen bricht

Die Niederlage-

viel schöner als

der größte Sieg!

 

Irrtum

Dein Lachen nie gehört

Deine Lippen nie geküsst

Deinen Atem nie getrunken

Deinen Körper nie berührt
 
Den Morgen nie geteilt

Das Leben nie gelebt


Placebo

Jemanden zu verlieren

noch bevor

man ihn besessen hat

ist nur eine

bittere Pille ohne

Nebenwirkungen

Konfusion

Ein Blick von Dir

rast wie ein

Wirbel

durch mein Leben

ein Trümmerfeld nur

von dem was scheinbar fest

rinnst wie

Sand

durch meine Finger

und es bleibt
 
nicht mal ein

Rest

 

entfesselt

So lass doch endlich ab von mir

gib meinen Geist mir frei

Denn alles was Du noch geben kannst

ist mir längst einerlei

 

verbrannt

Verbrannt an Dir

nur schreien wollen

und schweigen müsse

Es tut so gut

in Deiner Glut zu stehen

selbst wenn doch nichts

als Asche bleibt

Die Hand im Feuer

und zu spüren

kein Schönrer Tod

ward je gestorben

 

Strandgut

Wir sind
 
wie Treibholz

mal hier, mal da

zertrieben vom Wind

schlagen aneinander

reiben unsere schartigen Kanten

doch gehen niemals
 
unter

 

Fauler Zauber

Hab dir gehört
für eine Weile

hast mich verhext
mit deinem Duft

hast mich geschlagen
in die Seile

doch am Ende
war´s nur ...Luft

Trugbild

Harmonie
beschreibt nur die Anhäufung
gerade noch nachträglichen
Leidens


E R S C H E I N U N G E N

Keimzeit

Stunden, Tage und Wochen
wie Fels

Wege, Straßen, Städte
endlos

gespannte Fäden der Erinnerung
zwischen Erwartung und Angst

doch unter Stein und Eis
ein leiser Hauch

                                   Von Dir

 

Zweifelhaft-Haft

Blaues Hoffen

aus Licht

verloren im Moment

ersten Zögerns

 

Herbstahnung

Gebanntes Verharren

im Moment

größter Perfektion

gewidmet

der Vergänglichkeit

 

Tauchgang

Dunkelheit
mit einer Spur von Licht
streift meine Haut
zieht mich hinab
Schlaf
schluckt alles was ich war und bin
hält mich im Arm
der Atem schweigt in trägem Schwarz
die Zeit wie Teer
und doch
sie gibt mich wieder frei
stößt mich hinaus
aus diesem Traum
zurück ans
Licht!

 

Lichtgeflüster

 

Flüchtiger Hauch

aus Strahlentanz

des goldenen Sommers

letzter Gruß

 

A u ß e r i r d i s c h e s

Besessen

seitdem meine Dämonen

Namen tragen,

komme ich besser mit

ihnen zurecht.

 

Labyrinthisch

Mich nie dem Schicksal

in den Weg gestellt

Bin jedem Wink und falscher Fährte

bis ans Ende nachgefolgt

so ist das Wenige das ich weiß

mir sicher

 

Schaltfehler

Als Er sprach:

Es werde Licht!

...muss jemand vergessen haben,

den Teufel zu sagen

ein paar Kohlen

mehr aufzulegen.

 

Rendezvous

Wenn der Tod

wirklich das wäre,

als was er immer gehandelt wird

könnte man ihn

wie einen alten Freund

in die Arme schließen.

 

Überfluss

Besser, dass der Regen

Zu Boden fällt;

was sollen die sonst

da oben

mit dem ganzen Wasser

anstellen?

 

Spielball

 

Die Prophezeiung

falsch
gute Wünsche

nutzlos

was bleibt

sind wir

und der Götter

Willkür

 

Wasserspiele

 

„Es ist im Fluss“

...könnte ein Hinweis darauf sein,

dass wieder einmal
 
das Kind mit dem Bade

ausgeschüttet wurde.

 

explosiv

 

Je mehr man unter den Teppich kehrt,

desto größer wird die Beule.

 

unnötig

 

Nur weil man

einen Fehler gemacht hat,

heißt das noch lange

nicht, dass man den nächsten

gleich hinterher

werfen muss.

 

reinkarnativ – mathematisches

 

Die Lebensdauer

meiner Schuhe

bemisst sich nach der Anzahl n

verbrauchter Schnürsenkel

( N->)

 

bewundernswert

 

Engländer sind so

vollendet höflich,

dass sie sich sogar

bei den Frühstücksutensilien dafür entschuldigen,

sie benutzen zu müssen.

 

Kreisverkehr

 

Geschichte verläuft

 in einer

unendlichen Spirale;

doch alles was voranschreitet

ist Zeit

und nicht

die Handlung.

 

überzeugend

Er hat sich

fein eingerichtet,
der Traum,

den wir

Leben nennen!

 

genervt

 

Ach lasst mich doch

hier liegen,

so lasst mich doch

hier stehen!
 
Was kann ich denn
 
euch geben,

das ihr nicht längst

gesehen?

 

Die Lösung

 

Man nehme

nur noch zur Kenntnis,

von deren Notwendigkeit
 
man überzeugt ist.




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