Besucher:
126521


Kunst Privat Biograhie
  Fritz Schönfelder - Maler, Grafiker, Objektkünstler
(aus Raimund Friedrich Fritz Schönfelder)
 
  • 1943 geboren in Chemnitz
  • 1976-79 Studium an der Hochschule Industrielle Formgestaltung Halle, u.a. bei Prof. Hannes H. Wagner
  • seit 1979 freischaffend in Guben
  • 1990 Rückkehr nach Chemnitz
  • Mitglied im Chemnitzer Künstlerbund 


Auswahl wichtiger Ausstellungen

1985 Magdeburg, Kloster Unser Lieben Frauen (Keramiksymposium)

1990 Senftenberg, Kunstsammlung der Lausitz (Begegnungen)

1991 Güstrow, Stadtmuseum (F.Sch.Malerei und Objekte)

Chemnitz, Galerie im Foyer des Schauspielhauses (F.Sch. Graphik und Objekte)

1992 Nauen, Galerie Nauen (F.Sch. Malerei und Objekte)

Cottbus, Brandenburgische Kunstsammlung

Bielefeld, Galerie Salustowicz

Coburg, Veste Coburg (NovemberBilder)

1993 Chemnitz, Galerie D 19 (Charles Keeling Lassister, New York, Malerei; Fritz Schönfelder, Chemnitz, Objekte

Heiligendamm, Kurpark (Symposium für Holzplastik)

1994 Fürstenwalde, Altes Rathaus (Miniatur in der Bildenden Kunst)

Chemnitz, Galerie im Foyer des Schauspielhauses (F:Sch. Objekte und Assamblagen)

1995 Chemnitz, Galerie im Kiox (Workshop Holografie)

Eschenbach/Vogtl., Kunstscheune, Pleinair-Ergebnisse 

Zu Fritz Schönfelder

Ja ja, die Nähmaschine und der Regenschirm zufällig auf dem Seziertisch. Wie häufig die Lautreamontsche Schönheitsdefinition schon zitiert wurde, weiß keiner. Hätte der Dichter vom Zusammen treffen einer Lokomotive und eines U-Bootes in einem blühenden Rapsfeld gesprochen, würde sich vielleicht niemand  mehr an seinen Namen erinnern. Die handliche Dimension macht die Metapher so charmant. 

Dabei geht es doch eigentlich um das Attribut „zufällig“, das bei genauerem Hinhören unbeabsichtigt falsch klingt. Generationen von Surrealisten und anderen –isten haben das hübsche Bonmot zur Rechtfertigung benutzt, als wäre es wirklich blanker Zufall, was da in ihren Bildern und Objekten so unvermutet aufeinandertrifft. Von Wegen. 

Bei Fritz Schönfelders Assamblagen und Installationen bleibt offensichtlich, dass der Zufall Methode hat. Dabei muß man kein Höhlenbewohner der Sonnenberg-Nordwand sein, um zu erkennen, woher das Material wie auch die Anspielungen stammen. Denn seine Arbeiten sind keinesfalls rauschhaftes Heraufholen unterbewußter Schichten, auch wenn manche Objekte Erinnerungen an berühmte surrealistische Kollegen nahelegen. Er aber ist ganz von dieser Welt. Das artifizielle Universum, welches er mit seinen Objekten errichtet, ist nur ein ironischer oder utopischer Gegenentwurf zur realen Welt, aber keine Flucht aus ihr. 

Diese Beziehungshaltigkeit war früher, als er noch expressiv wirkende Graphiken und Gemälde schuf, allerdings viel wichtiger. Diese „lauten“ Bilder sind für ihn zunächst eine abgeschlossene Phase. Gegen das unüberhörbare Getöse der Umwelt will er heute „leise“ Bilder setzen, bei denen der Gehalt nicht unmittelbar auf der Oberfläche ablesbar ist, sondern darunter gesucht werden muß. Das ist nicht allein metaphorisch gemeint. Manchmal verbirgt tatsächlich eine indifferente Kruste eingeschlossenen Gegenstände, die man erahnen, aber nicht genau identifizieren kann. Er behält sich aber die Option offen, die Stimme auch wieder anzuheben. Bezüglich der plastischen Objekte ist Schönfelders Behauptung einer Neuen Stille sowieso blankes Understatement. Nicht nur, weil einige von ihnen selbst Töne abgeben. 

Sei heutiges künstlerisches Schaffen läuft auf zwei Schienen, die, wie es Schienenpaare so an sich haben, in gewissem Abstand voneinander liegen, aber in die gleiche Richtung führen. Zum einen sind es flächige Gebilde aus Papier. Karton, Farbe und verschiedenen Einlagerungen. Zum anderen okkupieren immer mehr plastische Objekte die Räume seines Ateliers. 

Gemeinsam ist beiden die Verwendung von Fundmaterial unterschiedlichster Provenienz. Während die Objekte sich aber anarchistisch gebärden und die Anerkennung jeder ästhetischen Regel verweigern, sind viele der zweieinhalbdimensionalen Arbeiten auf den ersten Blick von konstruktivistischer Strenge. Beim zweiten Hinsehen erkennt man dann aber auch hier die Verletzung der Spielregeln. So simpel ist die Ordnung nicht, wie es die Titulierung als „Bagatellen“ nahe legt. Und auch der Entstehungsprozeß ist nicht so einfach, oft brauchen sie Monate bis zur Reife. 

Die Verwendung der gezielt-zufällig vorgefundenen Materialien hat zunächst schnöde pragmatische Vorteile. Die berüchtigte Furcht vor dem leeren Blatt, vor der auch berühmte Kollegen, Maler wie Schriftsteller, nicht gefeit sind, fällt weg. Das Fundstück bietet von sich aus Assoziationsmöglichkeiten an. Beim blanken object trouvé bleibt Fritz Schönfelder darum auch nie stehen. Seine Imaginationskraft ist zu groß, um sich mit den Dingen zufriedenzugeben, so einfach wie sie sind. Sie gehen neue Liaisons ein, degenerieren bei dieser Hurerei aber nicht, sondern mutieren zu neuen, unbekannten Spezies, allerdings auch um dem Preis der Unterordnung unter eine neue Gattung. Der Abfall der menschlichen Zivilisation, Untergruppe Chemnitz, nimmt im gekonnten Arrangement plötzlich antropomorphe Züge an, schleicht sich durch die Hintertür wieder bei der Gesellschaft ein um dort zu bimmeln, zu scharren, mit dem Kopf zu wackeln. Nicht nur Konsumschrott geht diesen Rückweg, auch ideologische Einwegware feiert ihr verfremdetes Comeback. Vor Lenins stolzem Zukunftsblick baumeln kleine Kugeln wie das Pendel eines Regulators. Vanitas in rotbraun. 

Fritz ist aber kein vordergründiger Moralist. Der Spieltrieb ist viel stärker als der Drang nach Belehrung. Manche Deutungsmöglichkeit war gar nicht beabsichtigt. Der Dada-Schalk ist dabei aber gepaart mit erstaunlicher Ernsthaftigkeit und Hennecke-Fleiß beim Arbeiten. 

Seit längerem schreibt er Texte. Früher zur Selbstverständigung, seit dem Einstieg bei der Kunstzeitschrift Laterne auch zum Ergötzen und Ärgernis anderer. Wichtig ist ihm in der sogenannten Langzeiterzählung „Tierquäler“ unübersehbar die Behauptung kreativer Vielfalt gegen das Verharren im selbstgebauten Stil-Käfig, mag dieser auch goldene Stäbe haben. Das ist natürlich ein Akt der Selbstverteidigung. Läßt sich sein Werk doch schwierig mit einem eindeutigen Etikett bekleben. Freilich lassen sich Verwandte benennen: Schwitters, Spoerri, Tinguely beispielsweise. Das wichtigste Material, das diese Ahnen mit Fritz Schönfelder teilen, ist aber das Entwinden aus den Kategorien. In Stichwortdasein nehmen diese Künstler Spitzenwerte in der Quantität der zugeordneten Querverweise ein. 

So entfaltet sich auch in Schönfelders artifizieller Parallelwelt ein barocker reichtum unterschiedlichster Formen, Farben, Sinneseindrücke. Er hat dabei keine Berührungsängste zum Banalen, Trivialen und zu ärmlichen Materialien. Wenn jemand heutzutage noch eine Altar baut, tut er das in reduzierten Formen aus Edelholz oder Chromstahl. Bei Fritz ist er aber aus Wellpappe, unbekümmert in Himmelblau und Goldbronze bemalt und durch ein Nippes-Püppchen bekrönt. 

Die kustodisch korrekte Aufzählung aller verwendeten Stoffe seiner Arbeiten wäre ein enzyklopädisches Unternehmen. Nähmaschinen und Regenschirme und Seziertische ... 

Zitate zu Fritz Schönfelder 

„Der Umfang des künstlerischen Schaffens Fritz Schönfelders erstreckt sich von der Maklerei und Graphik bis zur modernen Plastik. Wer die Arbeiten des Künstlers betrachtet, wird feststellen, dass allen Arbeiten ein intensiver sensibler geistiger Auseinandersetzungsprozeß vorangegangen ist. In vielen Arbeiten stellt er Probleme unserer Zeit sehr tiefgründig und streitbar dar.“

„Vereinshaus-Kulturbund e.V.“, Bernburg, Juni 1991 

„Man muß schon viel Phantasie und ein Verhältnis zur modernen Kunst haben, um die Malereien, Graphiken, Collagen und Objekte von Fritz Schönfelder verstehen und deuten zu können.“

Aus: „Schweriner Volkszeitung“, August 1991 

„Fritz Schönfelders Skulpturen sind aus allen möglichen Materialien zusammengesetzt, die der Chemnitzer sammelt und durch deren Form und Farbe er sich anregen lässt.“

Aus: „LokalAnzeiger“, Nauen, November 1992 

„Ausgeprägt individuelle Sicht, psychologische Durchdringung des Themas, Materialerlebnis, Raumbezogenheit, Zeit- und Umweltbewusstsein, das sind Charakteristika seiner Assamblagen.“

Aus: „Blick zum Sonntag“, Chemnitz, Juni 1993 

„Wo dem Design das Bewusstsein für den praktischen Nutzen fehlt, da hält dann Kunst den Stuhl besetzt – zum Beispiel mit Schirm, Charme und Melonengelb: ‚Ein spaßiges und hintergründig sinnvolles Objekt’, heißt es im Katalog zur Arbeit Fritz Schönfelders aus Chemnitz, ‚das auf jeden Fall nicht zum Sitzen geeignet ist’.

Aus: „Freie Presse“, Chemnitz, Oktober 1993 zur Ausstellung „Begegnung zwischen den Stühlen“ 

1943 in Chemnitz geboren

Seitdem immer auf der Suche.

Über die Lebensstationen Dresden, Berlin, Leipzig, Halle und Guben seit 1990 wieder in Chemnitz.

Mitglied im Chemnitzer Künstlerbund, im sächsischen Künstlerbund und Bundesverband Bildender Künstler.

Mitglied im Kunstverein Laterne.

Letzte nennenswerte Ausstellungsmöglichkeiten

Chemnitz (Schauspielhaus 2004),

Berlin (Galerie Medial 2004)

Winterthur (Schweiz – Alte Kaserne 2005)

Tampere (Finnland – Alte Bibliothek 2006)

1943 in Chemnitz geboren - 1968 bis 71 Ausbildung zum Sozialpädagogen mit Wahlfach Kunsterziehung am IfH Hohenprießnitz - 1971 bis 76 Arbeit als Erzieher in Guben - 1976 bis 79 Studium an der Hochschule für Industrielle Formgestaltung Halle, Malerei/Grafik - 1979 Aufnahme in den VBK freischaffend in Guben - 1984 Studienaufenthalt in Georgien - 1987 Studienaufenthalt in der Slowakei - 1989 Studienaufenthalt in Rußland - seit 1990 teilweise freischaffend in Chemnitz und Tätigkeit in sozio-kulturellen Einrichtungen – Mitglied im BBK, CKB, Kunstverein Laterne e.V. - Jährliche Arbeitsaufenthalte in Spanien


Laterne: Wie würdest du deine Arbeit beschreiben?

Fritz Schönfelder: Die Frage bringt mich in Verlegenheit, weil leicht Arbeit und die Arbeiten als Ergebnis der Arbeit durcheinandergeraten. Letztere, also die Bilder und Objekte aus drei Jahrzehnten geben sich wechselseitig mal bunt schrill, mal monoton trist. Sie sind in der Regel nicht genußsüchtig und haben meist ähnlich gestaltete Verwandte, auf die sie sich stützen bzw. berufen können. Sie sind herb als süß und gleichen gealtertem Wein, von dem man den Preis nicht weiß. Erstens, also die Arbeitsweise klettert der künstlerischen Absicht hinterher und zwingt einem so manchmal handwerkliche Kunststücke auf, die dem eigenen Willens- und Vermögenskonzept zu widersprechen scheinen. Objekt wie Bild sind häufig vorgefundenem Material unterlegt und so ergibt sich ein Zusammenspiel von gegebener Vorlage und eigener Zugabe. Die stille Verträglichkeit beider Komponenten zaubert so Nachdenklichkeit, Besinnlichkeit, Trauer auch und freilich Heiterkeit. So gibt es den Überraschungseffekt nicht nur für die Betrachter sondern auch für den Macher selbst.Nachträgliche Verwunderungen sind da nicht auszuschließen. 

Laterne: Was treibt dich bei der Arbeit an?

Fritz Schönfelder: Wenn es der Wunsch wäre, damit recht viel Geld zu verdienen, hielt ich dies für die legitimste Form. Es bedeutete aber das eigene Programm anpassungsfähiger zu gestalten und so begehbare Brücken zu schlagen. Wohl dem, der das vermag. So bleibt‘s bei der immerwährenden Hoffnung Lebensäußerungen bildnerisch und plastisch scheinbar unverfälscht verdichtet zu haben und mit der Art  des Vortrages sich selbst zu entlasten und anderen Vergleichsmöglichkeiten als Herausforderung anzubieten. So ist jegliche Form von Reaktion ein Gewinn, auch wenn man selbst dabei selten wie ein Sieger ausschaut.

Laterne: Aus welcher Tradition kommst du?

Fritz Schönfelder: Bei solcher Art Frage, sträubt sich das eigene Denken und man wünscht sich ein außenstehender Sachverständiger würde einem das passende Traditionsfach zuweisen.Sollte dies aber geschehen, regte sich sofort der Widerspruchsgeist. Man will Tradition nicht als Abguckerei verstanden wissen. Wo und wie also einpendeln, vielleicht sucht man für üppige überfrachtete Zeiten eine karge kontrollierbare Form und für Zeiten die Enge und Stillstand verbreiten eine Form der Bewegung, der Aufmunterung und wenn diese scheinbar widersprüchlichen Kunstäußerungen über Zeit frischer Traditionsbahnen bewegt werden, dann ist dies insofern verständlich, weil die Menschheitsgeschichte sich auch und überhaupt an Wiederholungen erquickt, freilich getarnt durch den jeweiligen Zeitgeist.

Laterne: Was stellst du in Tampere aus?

Fritz Schönfelder: Gemäß meiner obigen Einredungen, wäre es folgerichtig, auf Monotonie zu setzen. So denke ich an schlichte geklebte Bildtafeln mit karger Zeichensprache, die nicht engt aber auch in jüngster Zeit entstanden sind. Vielleicht gesellen sich auch noch einige wenige schweigsame plastische Objekte dazu.

Laterne: Was waren Höhepunkte in deinem bisherigen Schaffen?

Fritz Schönfelder: Man strapaziert die Erinnerung, und benennt etwas, weiß jedoch im selbigen Augenblicke nicht mehr, ob es überhaupt der Erwähnung wert ist. Sicher könnte man die Ausstellungen benennen, wie die mit Raimund Friedrich in der Neuen Sächsischen Galerie oder die mit Armin Forbrig im Wasserschloß Klaffenbach. Oder eben auch die überraschende Höhepunkterfahrung in den Schweizer Alpen und diese ganz im doppelten Sinn von Landschaft und Kunsterlebnis. So ließen sich noch einige Ereignisse aufreihen und mit ehrlichem Gewissen abnicken ohne die gebotene Euphorie. Vielleicht genießt man eigentlich nur die überraschende Möglichkeit der Bildwerdung und die glückliche aber auch unglückliche Kommunikation der entstandenen Werke mit – oder untereinander und die Vorstellung damit einen Raum verwandeln zu können.

Laterne: Was hast du als Nächstes vor?

Fritz Schönfelder: Ich hab als Nächstes vor, was es als Nächstes mit mir vor hat. Es bedeutet, glaube ich Abstand zu halten zu einer Überfütterung unterschiedlicher Kunstäußerungen, zu einer Flut von gedruckten Wichtigkeiten, zu einem Jahrmarkt der Indiskretionen. Vielleicht gelingt es mir etwas “Schweigen zum anfassen” zu machen. Gewiß setze ich das laufende Thema “Abgeschirmtheiten” in Bilder und Plastik fort. Ununterbrochen setze ich mich der Verführung aus, einfache Zahlen zu überzeichnen oder diese in Falten zu legen. Sie, die Ziffern bilden sozusagen das Gerüst für ständig neue Ausflüge ins freiere ornamentale Leben. Dabei entflieht man dem Hang zum Gegenstand, weil man meint, dessen direktes Geschwätz nicht ertragen zu können. Das aber ist insofern ungerecht, weil gerade die Gegenständlichkeit überraschende Impulse bereithält. Es ist nach wie vor gesund auf einem Hocker zu sitzen und aus dieser Perspektive ein Stück Rasen zu zeichnen...




An den Anfang springen