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Kunst
 Privat Biograhie
  Axel Wunsch
   

Axel Wunsch (Aus: Axel Wunsch Malerei und Zeichnung 1969 – 2006) 

Wer Axel Wunsch im Atelier besucht, stolpert mehr, als er geht. Räume einer ehemaligen Wohnung dienen ihm als Arbeitsplatz. Stapel von Papieren, Regale und Schränke füllen die Räume mir der Arbeit der letzten vier Jahrzehnte. Der Künstler hat nicht wenig verkauft, jedoch seine Produktivität überstieg den Abgang um ein Vielfaches. am Fenster, Licht von links, steht die Staffelei. Das tägliche Malen und Zeichnen ab dem frühesten Morgen braucht nur wenige Quadratmeter Platz. Abstand zur eigenen Arbeit erlaubt die Öffnung einer ausgehängten Tür zum Nachbarzimmer. Axel Wunsch richtet sich ein, wie es die Umstände erlauben. Eineigenes Atelierhaus oder einen großen Saal hat er sich nie gesucht, hätte er gewiß einrichten können, hier, im eigenen Haus. Seine Kunst braucht wenige Voraussetzungen: Zeit und Konzentration, Agilität und Leichtigkeit der arbeitenden Hand. 

Die Zeit außerhalb des Ateliers gibt Axel Wunsch die Themen: Die Menschen seiner Umgebung, Bevorzugt die Familie mit den so unterschiedlichen Charakteren und Schicksalen, den geschärften, angespannten und ausgelassenen Lebenssituationen. Das figürliche Arbeiten oft aus dem Gedächtnis beweist ganz nebenher eine meisterliche Beherrschung der Körperdarstellung und eine begnadete Vorstellungskraft, gepaart mit der Fähigkeit, diese durch die formende Hand sichtbar werden zu lassen. Beim Gang durch die Stadt, in der er seit über 30 Jahren als freischaffender Künstler lebt, folgt Wunsch deren baulicher Entwicklung, sucht er wachen Auges das Wertvolle und Sprechende zu fassen. Viele seiner Motive wurden im Rückblick zu Zeitzeugen der Baugeschichte von Chemnitz oder seiner sozialen Milieus.

Fasziniert beobachtet der Künstler Tiere und ihre ins Metaphorische übersetzbaren, weil prägnanten Körperhaltungen. Axel Wunsch glaubt an die klare Sprache und tiefe Wahrheit visueller Eindrücke. Deshalb geht er noch heute regelmäßig zum Aktzeichnen, aber es entstehen auch Zeichnungen, Bilder und Skulpturen von Personen der Zeitgeschichte, die ihm nur von Fotos, aus Interviews und Fernsehbildern geläufig sind. Nie verwendet er die Bilder als unmittelbare Vorlage. Die Wiedererkennbarkeit ergibt sich bei Wunsch weniger aus der Ähnlichkeit als der gelungenen Annäherung an einen gefühlten Charakter. Sie bildet die Brücke für eine gesteigerte Aufmerksamkeit des Betrachters hin zur Wahrnehmung des Gemalten auch im Detail. 

Konkrete Erlebnisse treiben Axel Wunsch zum Malen. Er arbeitet wie besessen die auf ihn einfallenden Eindrücke ab. Wo immer es Gelegenheit gibt, wo Zeit und Konzentration es ermöglichen, malt und zeichnet, collagiert und montiert, baut und formt er. Konzeptuelle Bildideen sind seine Sache nicht. Sie traten vereinzelt immer einmal wieder auf, führten aber kaum zu überzeugenden Arbeiten.

Wiederholung des Geschehen, verbunden mit Begrenzung und Auflösung seiner Kontexte wandeln die einfache Beobachtung in Bilder transzendenter, vielen geläufiger Erfahrungen. Dieser Weg vom journalistischen Stenographieren zum länger tragenden, aus Gedanken dichter geschichteten Bild ist Axel Wunsch künstlerisches Hauptanliegen. 

Wunsch ist kein Maler des Meditativen und der Langsamkeit. Immer verknüpft er seine Malerei mit spontanen, zeichnerischen Elementen, immer gewinnen seine Werke ihre Dynamik aus Kontrasten. Geometrische Flächenanordnungen und schematisierte Strukturen können ihn nicht erwärmen. Im Grenzbereich der Stillebenmalerei bewegt er sich nur vereinzelt. Selten erarbeitet er ein Bild in nur einer Technik.

Linienführungen und Flächen spielen in den Arbeiten Axel Wunschs subtil zusammen. Das lineare Gerüst des Bildes stellt dabei oft die dominierende  Komponente dar. Bereits in frühen Werken mit starken, Beckmann entlehnten Konture zu finden, wird die Linienführung agiler in der immer noch dunklen, aber bereits frei sich bewegenden Zeichnung der achtziger Jahre. Heute entfaltet der Maler sie zu einer von Farbflächen gelösten Stichbewegung. Die Linie beschreibt Figuren, Gegenstände oder Bewegungen, formuliert Grenzen, erweitert sich gelegentlich in Form von Schraffuren zur Fläche. Die Zeichnung scheint fast immer zuerst da zu sein. Sie könnte auch autark existieren. Hingegen verlegt Axel Wunsch die Bestimmung der Atmosphäre, das Entwickeln von Gegensätzen oder Verbindungen in den Aufgabenbereich der Farbe. sie füllt die Flächen der Zeichnung, umspielt ihre Grenzen oder setzt sich als qualitativ andere Ebene über sie hinweg. Farbe ist heute bei Wunsch oft gegenstandslos gedacht. Dann wird sie gesteigert zum reinen Ausdruckswert ohne erzählende Bildfunktion. In der Farbe lässt der Maler die emotionale Ursache seiner Bilder erkennen. 

Farbe und Linie folgen in den Bildern Axel Wunschs häufig unterschiedlichen Zeitmaßen. Bewegte, schnelle Striche ziehen über einen ausgewognen Farbklang. Der Status quo wird zu einem Zustand, der im Linearen Vergangenheit und Zukunft kennt. Farbcluster und Zeichnung spinnt der Künstler zu einem dichten Netz bildlicher Bezüge und Verbindungen. 

Bei allem Bemühen um die Nutzung der reinen Ausdruckswerte insbesondere seiner malerischen Mittel, bleiben Axel Wunschs Bilder doch immer einer Erdenschwere und Himmelsleichte verhaftet. Beschäftigungen mit den wesentlichen Errungenschaften moderner Malerei seit Kandinsky sind erkennbar. Axel Wunsch hat vieles Spielerisch und ernst ausprobiert und für sich fruchtbar zu machen versucht. Ursächlich angeregt von den Arbeiten Kurt Schwitters ist er heute in der Lage, heterogenste Materialien in einer Arbeit plausibel zu verbinden, ohne einer berauschenden Materialästhetik zu verfallen. Surrealistische Bildformulierungen tauchen gelegentlich auf und die klassischen Bild- und Gattungsgrenzen sind ihm keine mehr. Der letztendliche Grund seiner Bildform speist sich jedoch immer aus der Ehrlichkeit und Angemessenheit gegenüber der Empfindung von der Bildidee. 

Axel Wunsch steht in keiner klaren Traditionslinie. Zu vielfältig sind die Themen, das Spektrum seiner technischen Möglichkeiten und die Verfügbarkeit stilistischer Mittel zwischen realistischer Zeichnung, freier abstrakter Komposition und Neugier am Material. Kein Dünkel und keine handwerkliche Schwäche verhindert die Verbindung beliebiger Elemente nach dem Fluß seiner Gefühle und Assoziationen. Dieses schillernde Entgleiten gibt Axel Wunsch seine solitäre Position im sächsischen Kunstgeschehen und den Grund für eine längst überfällige Würdigung des Lebenswerkes.

Mathias Lindner, Oktober 2006 

Biografie

Axel Wunsch kommt 1941 in Kändler, einem Dorf nahe Chemnitz, zur Welt. Sein Vater ist zu dieser Zeit bereits im Krieg und stirbt 1946 in russischer Gefangenschaft. So lernen sich beide nie kennen. Nur die erhaltenen Skizzenbücher des Familienoberhaupts können dem Jungen ein Bild von Wesen Und Charakter des Vaters vermitteln. Fortan muss sich die Mutter mit ihren beiden Söhnen Axel und Peter allein durchschlagen. Die Nachkriegsjahre sind von Hamsterfahrten und harter Arbeit geprägt. Die Verwandtschaft versucht, die kleine Familie zu unterstützen. Da die Mutter in einer Trikotagenfabrik für den Lebensunterhalt arbeiten muss, bleiben die Kinder nicht selten sich selbst Überlassen. Sie nutzen die Zeit, um Felder und Gärten der Umgebung zu durchstreifen und geben sich ihrer kleinen Fantasiewelt hin.  

Die unbeschwerten Zeiten enden, als die Schule beginnt. Anfangs hat Axel noch Spaß am lernen. Doch als die Familie nach Chemnitz zieht, muss er die Schule wechseln. Die stark ideologisch geprägte Lehranstalt bereitet ihm zunehmend Unbehagen. Auf die neue Situation reagiert Axel mit Rückzug in seine innere Welt. Er sucht nach eigenen Wegen und Ausdrucksmitten und beginnt zu zeichnen. Zunächst kopiert er dabei die Bilder seines Vaters, doch schnell genügt ihm die reine Imitation nicht mehr. Er drängt die Mutter dazu, privaten Zeichenunterricht erhalten zu dürfen und nimmt schließlich Stunden bei der Malerin Christine Holscher. die ihn zum Studium der Natur anregt. Als er in einem Volkshochschulkurs dem Maler Willy Wittig begegnet, wird im ihm das Interesse am bildnerischen Gestalten geweckt und er tritt dem Zirkel des Künstlers bei. Frühzeitig begeistert sich Axel Wunsch für Expressionisten wie Karl Hofer und Karl Schmidt-Rottluff. Auch Vertreter der Dresdner Schule wie Hegenbarth, Jüchser und Rosenhauer beeindrucken den jungen Maler. Beeinflusst wird sein Schaffen jedoch ebenso von der expressiven Kraft der Wittigschen Aquarelle und Rudi Gruners Gouachen. 

Von Farben geprägt ist dann auch die Lehrzeit. Wunsch erlernt den Beruf eines Färbers. Die düster-dämmrige Atmosphäre des Betriebes inspiriert den Lehrling zu ersten Skizzen, Grafiken und Malereien, in denen er sein Arbeitsmilieu thematisiert. Als einer Reproduktion von Edward Munchs „Mädchen auf der Brücke“ gegenübersteht, ist der junge Mann von dessen Art zu malen begeistert und erste Anspielungen darauf fließen in seine frühen Werke ein. Der Zeichenzirkel bildet für Wunsch inzwischen eine Art von Insel, auf der er sich künstlerisch entfalten kann. Erste Ausstellungen in Chemnitz und Magdeburg bestärken den Maler darin, den eigenen Stil weiter auszuprägen. 1963 befinden ihn Freunde und Künstler für reif, sich um ein Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig zu bewerben. Nach anfänglichem Zögern lässt Wusch dazu überreden und wird zugelassen. 

Er kommt in die Gebrauchsgrafikerklasse von Wolfgang Mattheur, der ihn nach Kräften fördert. Näher jedoch stand Jahren  freiere Stil Bernd Heisigs. Damals waren Heisig und Tübke die dominanten Figuren der Schule und beeinflussten Generationen von Studenten. Dass Picasso oder Max Beckmann in Leipzig sowohl von dem Meistern als auch von den Schülern geschätzt wurden, nahm Wunsch freudig auf. Nachdem er die Vielfalt der Ausbildung in den Werkstätten für Lithografie, Radierung, Holzschnitt, Typografie und Fotografie zu schätzen gelernt hat, schließt er das Studium 1968 mit Auszeichnung ab. Mit dem Diplom endet auch sein Schaffen in der Gebrauchsgrafik. er wechselt endgültig in die Gebiete der freien Künste Malerei und Grafik. Die Plastik gesellt sich späterhinzu. 

da ist Wunsch aber bereits nach Chemnitz zurückgekehrt und befindet sich in Gesellschaft von jungen Künstlern wie Morgner, Ranft-Schinke, Bösch, Schade, Beier oder Dietel und Diedering. Das Leben als Freischaffender beginnt nicht leicht. So verdingt er sich wie viele seiner ehemaligen Kommilitonen bei Arbeiten zur Schriftübertragung auf der Leipziger Messe. Das sichert zumindest ein Existenzminimum. 1969 kann Wunsch dann mit Volker Stelzmann seine erste größere Ausstellung in der Karl-Marx-Städter Genossenschaft „Kunst der Zeit“ realisieren. Im gleichen Jahr erhält er vom Rat des Bezirkes den Auftrag für ein Gemälde zum Thema „Aufbau des Stadtzentrums Karl-Marx-Stadt“, das sich heute im Besitz der Neuen Sächsischen Galerie befindet. Die Künstlergenossenschaft und der Verband Bildender Künstler sind bemüht, ihren Mitgliedern Aufträge, Ankäufe und Studienreisen zu beschaffen. So kommt Wunsch nach Krakau, Bratislava, Breslau und Berlin. Doch er bereist auch das heimische Erzgebirge.

Nachdem sein langjähriger Lehrer und Mentor Willy Wittig den Kurs aufgibt, übernimmt Axel Wunsch 1969 den Mal- und Zeichenzirkel im Klubhaus „Fritz Heckert“. In den folgenden zwölf Jahren wird der Zirkel zum Sammelbecken und Ausbildungsort für Künstler wie Eißner, Hähner-Springmühl, Weise und Stelzer, auch Lang, Merkel, Weihe, Paloma und Lochter. Als die Genossenschaft Anfang der 1970er Jahre eine Druckwerkstatt gründet, erhält Axel Wunsch den Auftrag, ihre Leitung zu übernehmen. So ergeben sich für ihn neue Möglichkeiten zu druckgrafischen Versuchen und malerischen Experimenten. Erstmals überregional wahrgenommen wird seine Arbeit dann auf der VII. Kunstausstellung der DDR 1972 in Dresden. Die folgenden Jahre markieren vor allem Studienreisen nach Irkutsk (Sowjetunion, 1973), nach Sosto und Debrecen (Ungarn, 1973 und 1975) sowie zu einem Pleinair nach Kuopio in Finnland (1977). Künstlerfreundschaften entstanden und haben sich bis heute erhalten.

1973 bekommt Axel Wunsch eine Wohnung in einem ausgedienten Hinterhaus im Industrievorort Kappel als Atelier zugewiesen. Lutz Voigtmann, der wenig später dazustößt, arbeitet in einer Wohnung darüber. Die freundschaftliche Konkurrenz der beiden Künstler inspiriert sie zu wichtigen Werken. Axel Wunsch beginnt in dieser Phase, seinen Bildgefügen ein festes und harmonisches Gepräge zu geben und spontane Momente stärker zu bändigen. Das Hinterhaus Atelier, in das inzwischen auch Uwe Bullmann eingezogen war, entwickelte sich zunehmend zum Anlaufpunkt für Künstler und Kunstinteressierte. Daneben suchten schulklassen, Arbeiterbrigaden und selbst ausländische Delegationen die Ateliers auf, deren Umfeld dem Künstler zunehmend zum Thema seiner Bilder wurde: „Schuhmacher Hussmann“, „Marthas große Wäsche“, „Aschemänner“, „beim Mastenanstreichen“, „Eisenbahnanlagen“. Der Stadtteil Kappel mit vielen Industrieanlagen verkörperte in seinem desolaten Charme ein Stück altes Chemnitz. 1980 bezog Axel Wunsch eine Atelierwohnung im Osten der Stadt. Er arbeitete nun mehr oder weniger zurückgezogen in seinem Kelleratelier, von ihm auch „Kegelbahn“ genannt. Im gleichen Jahr wird Tochter Saskia (1980) geboren. Mit ihr eröffnen sich neue Bildthemen dem Maler: Geburtenstation, Mutter-Kind-Motive und Kinderbildnisse. Als 1982 die zweite Tochter, Maja, zur Welt kommt, erwerben die Wunschs ein Bauernhaus in Rübenau nahe der tschechischen Grenze und verbringen fortan viele Wochenenden im Kammgebiet des Erzgebirges. Dort entstehen vorrangig landschaftliche Motive wie das nächtliche Rübenaubild, Portraits wie „Bauer Glöß“ und erste skulpturale Versuche in Holz. Die achtziger Jahre werden von zahlreichen Ausstellungen bestimmt. Bilder kursieren dabei in ganz Europa und in den asiatischen Republiken der Sowjetunion. 

Abgesehen von wenigen Ausnahmen, z.B. für Chemnitzer Kindergärten, arbeitet der Künstler nicht im Auftrag. Zumeist kaufen private Sammler die Werke direkt im Atelier oder aus den Ausstellungen heraus. Die Stadt Karl-Marx-Stadt erwirbt ebenfalls einige Bilder für eine Sammlung sächsischer Kunst in ihrem neuen Bezirkskunstzentrum. Diese Sammlung stellt die Basis des Bestandes der heutigen Neuen Sächsischen Galerie dar. 

Eine Augenentzündung stürzt Axel Wunsch am Ende der achtziger in existenzielle Ängste. Ihnen entgegen arbeitet der Künstler intensiv an kleinplastischen Werken. Allmählich beginnt die Ausstellungsbeteiligung zurück zu gehen. Wunsch isoliert sich jetzt stärker und wählt seine Motive aus dem privaten Umfeld. Selbstportraits treten in den Vordergrund. Es beginnt eine Umbruchphase, die mit einer radikalen Infragestellung eigener Arbeiten einhergeht. Seiner harmonieorientierten Bildwelt fügt er gezielte stilistische Brüche zu und entdeckt so ein bis heute zentrales Ausdrucksmittel für sich. Andere Wege aus der Sinnkrise suchr Axel Wunsch im spielerischen plastischen Arbeiten mit Gips und Ton und beim Malen außerhalb des Ateliers. Im Trabantwerk Zwickau skizziert er einen Polsterer von Autobezügen, woraus sein erstes Simultanbild entsteht: „Fritz arbeitet“. Oft zieht es Axel Wunsch samt Malgepäck zu den Abrisshäusern des Sonnenberges und anderer Stadtviertel. Die Schönheit des Verfalls bezaubert ihn und leere Wohnungen bieten ungewöhnliche Ausblicke auf die Stadt.  

Anläßlich einer ersten Personalausstellung in der Frankfurter Galerie Oevermann reist der Künstler 1989 mit einem illegal ausgestellten Westreisepaß nach Amsterdam zu den Werken der großen Niederländer van Gogh und Rembrandt, die ihn in seinem Malereiverständnis bestärken.

Eine größere und kommerziell erfolgreichere Personalausstellung im Foyer der Westdeutschen Landesbank in Köln vermittelte Stefan Gerhardt. In der vorwiegend durch abstraktes Schaffen geprägten Kunstszene behaupteten die Arbeiten von Axel Wunsch eine prägnante Gegenposition.  

Mit dem Ende der DDR endet auch die relativ sichere ökonomische Basis des Künstlers. Er bleibt sich dennoch treu, besucht zunächst die norwegischen Künstlerfreunde, malt Motive der Lofoten und stellt im südnorwegischen Haugesund aus. Allerdings bleibt der Süden das bevorzugte Ziel von Studienreisen. Kreta, Mallorca, Tunesien oder die Türkei liefern Stoffe und Landschaft und Umgebung zum Malen. 

Mitte der neunziger Jahre entsteht in einem umgebauten Wohn- und Gewerbegrundstück ein Komplex, der nicht nur das Atelier des Malers sondern mit „Artenreich“ auch eine Druckerei, Werkstätten für Grafikdesign, Musik, Theater, eine Gaststätte und einen Verlag beherbergt. 1995 gründet Axel Wunsch mit Uwe Bullmann hier die Hofgalerie, die neben eigenen Werken auch Arbeiten von Künstlern wie Phillip Bruhn, Vera Kozik, Fritz Böhme, Rudi Gruner oder Thomas Merkel präsentiert und den kommerziellen Aspekt in den Hintergrund rückt. Gegen Ende der neunziger Jahre beginnt Wunsch sich intensiv mit dem Werk von Francis Bacon auseinanderzusetzen. Ihn beeindrucken die Wechsel von ruhigen Flächen und bewegten Figuren, die Spannung zwischen Lebensgier und Lebensverneinung, zwischen der Realistik einerseits und dem Auflösen derselben andererseits. In den Werken Axel Wunschs gewinnt die Linie immer mehr an Bedeutung und somit auch das grafische Gerüst im Bild. 

2000 nimmt Axel Wusch seine Lehrtätigkeit wieder auf und betreut angehende Kunststudenten im Förderstudio Bildende Kunst in Zwickau. Im selben Jahr tritt er der Künstlervereinigung „Laterne“ bei, in deren Galerie er Zeichnungen Kleinplastiken und neue Bilder ausstellt. Gemeinsam folgt man einer Einladung nach Winterthur, um in der Schweizer Alpenlandschaft arbeiten zu können. 2006 führt ihn die „Laterne“ in die Chemnitzer Partnerstadt Tampere, wo Wunsch eine kleine Werk-Auswahl der letzten Jahre zeigen kann. 

Seit etwa vier Jahren ist Axel Wunsch neben der Malerei wieder stärker mit der Arbeit an Kleinplastiken beschäftigt. Für „Pauline“ erhielt er 2004 den Ruth-Leibnitz-Preis der Neuen Sächsischen Galerie. Ausgehend von der zumeist spielerischen plastischen Beschäftigung entstanden außerdem Collagen, Assamblagen und Reliefs, die sich als Kombination von Fundstücken und vorhandenen Materialien darbieten. Die Lust am Spiel und ein sich Treiben lassen sind auch 2006 noch immer die Quellen, aus denen Axel Wunsch die Inspiration und Kraft schöpft, den eigenen Weg unbeirrt weiter zu gehen. 

Ausstellungen 

1970 Kunst der Zeit, Karl-Marx-Stadt

1972 Galerie im Schauspielhaus, Karl-Marx-Stadt

1973 Galerie des Kulturbundes, Karl-Marx-Stadt

1974 Kleine Galerie, Plauen

1975 Wort und Werk, Leipzig

1976 Klub Pablo Neruda, Karl-Marx-Stadt

1977 Städtische Museen, Karl-Marx-Stadt

1978 Galerie am Domhof, Zwickau

1979, Galerie Spektrum, Karl-Marx-Stadt

1981 Galerie Oben, Karl-Marx-Stadt

1984 Kleine Galerie, Wilkau-Haßlau; Galerie am Brühl, Karl-Marx-Stadt

1985 Galerie Junge Kunst, Frankfurt/Oder

1986 Städtischer Kunsthandel, Glauchau; Galerie des Kulturbundes Weimar

1989 Kapelle Neuensalz; Galerie Oevermann, Frankfurt am Main,

1990 Galerie Schmidt-Rottluff, Karl-Marx-Stadt; Westdeutsche Landesbank, Köln

1991 Galerie ART-IN, Meerane; Galerie MITTE, Berlin

1992 Neue Chemnitzer Kunsthütte, Chemnitz

1993 Parkhotel, Kändler,

1996 Hofgalerie, Chemnitz,

1999 Galerie Borssenanger

2001 Galerie der Volksbank, Chemnitz

2002 Galerie im Domhof, Zwickau

2004 Kunstverein Laterne, Chemnitz

2006 Tampere, Finnland

Seit 1972 Beteiligung an zentralen Ausstellungen in Karl-Marx-Stadt, Leipzig, Dresden (VII., VIII., X. Kunstausstellung der DDR), Berlin, Altenburg, Frankfurt/Oder und im Ausland. 

Axel Wunsch wurde 1941 in Kändler bei Chemnitz geboren.

Von 1963 bis 1968 studierte er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig bei Professor Mattheuer. Axel Wunsch ist seit 1968 freischaffend tätig. Ein Jahr später trat er dem Verband Bildender Künstler der DDR bei. Er lebt und arbeitet in Chemnitz. 

Seine Malerei kennzeichnet eine Entwicklung zu Leichtigkeit und Freiheit, zur Souveränität über die Mittel der Darstellung, jenseits Dogmatischer Stilvorstellungen. (Google: Axel Wunsch, Vergangene Ausstellungen, Neue Sächsische Galerie) 

 

Laterne: Es gibt Leute, die sich durch Technik anregen lassen.

Axel Wunsch: Ja, wenn es etwas Neues ist, das kann mich schon anregen.

Laterne: Aber es ist ja meistens die Ölmalerei. Sie spielt bei dir eine große Rolle.

Axel Wunsch: Ja, Ölmalerei  oder Acryl. Aber es ist auch so, daß mich die Ölmalerei am meisten interessiert. Ich habe aber auch schon mit Sand experimentiert, halb plastisch, also ich experimentiere auch gern. Das ist schon so, daß Technisches mich anregt.

Laterne: Was willst du in Tampere ausstellen? Hast du schon eine Vorstellung? Du kannst dich immer schwer entscheiden.

Axel Wunsch: Na ja, es ist ja auch eine Sache der praktikablen Handhabung. Vielleicht wäre es besser, nur Papierarbeiten.

Laterne: Was denkst du denn, was gibt es denn in deinem bisherigen Schaffen so für Höhepunkte?  Was war mal eine besondere Sache, das muß jetzt kein Preis sein oder eine Ausstellung, es kann auch ein Pleinair sein, also wo du denkst, das war mal was ganz besonderes? Gibt es so was, oder ist es dein Berufsalltag ?

Axel Wunsch: Nein, nein, es gibt schon immer mal Höhepunkte. Also für mich war auch früher, wo ich noch ein junger Künstler war, diese Pleinairs waren für mich immer sehr anregend. Das hat mir gut gefallen.

Laterne: Die Zusammenarbeit mit anderen Kollegen?

Axel Wunsch: Auch jetzt mit euch wieder, das finde ich als einen Höhepunkt. Das mach ich echt gern.

Laterne: Obwohl, manchmal hat man den Eindruck, daß es auch manchmal stört, wenn die Leute sich gegenseitig zu nahe kommen.

Axel Wunsch: Ja, aber naja, ich verzieh mich dann schon. Aber die Nähe zu anderen Kollegen habe ich gerne. Ich könnt nur nicht in einem Raum mit jemandem arbeiten.

Laterne: Was hast du als Nächstes vor?

Axel Wunsch: Na, jetzt die große Ausstellung in der Neuen Sächsischen Galerie im Herbst. Da wird ja auch ein Katalog entstehen. Der Paul Lindner hat vor, so 70 Abbildungen und ein Werkverzeichnis.

Laterne: Also nicht thematisch, sondern rein chronologisch so.

Axel Wunsch: Wie die aufgebaut wird, das überlasse ich auch den Herrn Lindner, das mach ich nicht selber. Das können manchmal andere besser, neutraler.

Laterne: Aber das Werkverzeichnis zusammenzustellen ist bestimmt sehr anstrengend.

Axel Wunsch: Nun, ich bin ja schon dabei,  die Susanne Schubert, die hilft mir, die bringt das in den Computer ein, fotografiert die Arbeiten.

Laterne: Na gut, gibt es noch irgendwelche biographische Daten, die du jetzt unbedingt den Finnen sagen willst? Was wäre wichtig?

Axel Wunsch: Na ja, das war eigentlich die Entscheidung nach Leipzig zu gehen, an der Hochschule zu studieren und die andere Entscheidung, nach Chemnitz zu gehen, nach Karl-Marx-Stadt damals.

Laterne: Gab es da jetzt Vermittlungen, wo die gesagt haben, du gehst dahin oder konntest du das aussuchen?

Axel Wunsch: Na ja, ich kam ja von Chemnitz  und da war es für mich eigentlich selbstverständlich. Ich hätte auch in Leipzig bleiben können Aber ich fand das damals hier auch sehr lebendig





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